Test SPRINTA DS

Wer hat noch Tipps für die SPRINTA-Segler? Immer nur her damit!
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Auszüge aus dem Test
von Harald Schwarzlose aus dem Jahre 1980:

Alles wird teurer. Auch die Unterhaltskosten für eine Segelyacht steigen von Jahr zu Jahr. Reicht nicht auch ein kleineres, trailerbares Boot aus, um mit der Familie das Abenteuer des Fahrtensegelns zu erleben? Harald Schwarzlose, der bisher ein größeres Boot besaß, schildert hier seinen Versuch, die Familie für die Anschaffung eines Daysailers zu begeistern.

Mach mal Urlaub mit dem Daysailer

Sie kennen sicher den Spruch: Segeln ist, unter der Dusche stehen und Tausendmarkscheine zu zerreißen. Wir sollten Schluss machen mit dem teuren Spaß. Zurück zum kleinen Boot hieß unsere Devise. Ich schwärmte meiner Frau vor, was wir mit einem Daysailer alles machen könnten: Einfach hinters Auto hängen und in den Süden gondeln, oder nach Norwegen trailern und, und und........

Wir taten daher etwas, was man vielleicht immer tun sollte, wenn man nicht sicher weiß, ob das ausgewählte Boot das richtige ist: Wir charterten für einen zehntägigen Segeltörn auf der Elbe einen Daysailer vom Typ SPRINTA DS.

Mir war das Boot schon auf der Bootsausstellung aufgefallen, denn die Linien sind rassig, und der Aufbau passt gut zum Rumpf. Von allen Dehlerschen SPRINTA-Typen mag ich die DS-Ausführung jedenfalls am liebsten leiden.

D steht für Daysailer und S für Sonderausstattung. Warum man so etwas einen "Tagessegler" nennt - immerhin gibt es in der Kajüte zwei breite Kojen und im Vorschiff zwei hochklappbare Rohrkojen, dazu eine richtige Pantry mit zweiflammigem Kocher, Spüle, Wassertank und Geschirrschublade -, dämmerte uns erst, als wir mit Bergen von Proviant, Schlafsäcken, Kanistern, Klampfe und Kleidersack auf der Pier standen und ängstlich auf das Bötchen blickten, das die ganze Ausrüstung schlucken sollte. Aber das Wunder geschah: Im Bauch der SPRINTA und unter den Kojen ist mehr Platz als gedacht, und was nicht unter die Duchten oder in den Schwalbennestern verschwand, wanderte in das große Schap unter dem Cockpit. Drei Kojenstauräume reichten für alle Lebensmittel und Getränke aus.

Wie durch ein Wunder lassen sich alle Sachen verstauen.

Jeder hatte eine persönliche Kleidertasche aus Segeltuch, die bequem hinter den Cockpitduchten Platz fanden. Dass die Backskisten keinen Zugang durch Plichtluks haben, störte uns weniger, da Fender und Tauwerk in einer weiteren Luke achtern auf dem Plichtboden verstaut werden können.

Dann ist es endlich soweit. Die letzte Dose hat ihren Platz gefunden, und ein großer Schluck Sherry besiegelt ein Manöver, das uns unmöglich erschien. Das Abenteuer kann beginnen. Damit der Start nicht gar so schwer fällt, hat Petrus uns echtes Daysailer-Wetter beschert: wolkenloser Himmel und eine leichte Brise aus Nordost. Wir segeln mit der Abendtide die Elbe hinunter und genießen die Ruhe. Die SPRINTA steuert sich wie eine Jolle und läuft eine überraschende Höhe. So macht Segeln Spaß. Manche großen Yacht zeigen wir das Heck. Dann kommt der erste Hafen und die erste Nacht. Zu Dritt wursteln wir uns durch die Kajüte.

"Setz mal bitte Teewasser auf", sagte mein Frau. Ja, wo war noch mal der Teekessel? Unter der Backbord-Koje? Nein, unterm Cockpit. Davor steht schon der Campingtisch (der richtige Tisch der aus der Pantry-Abdeckung und einem einschraubbaren Tischbein fabriziert wird, fehlt leider.) "Bau mal eben ab", sagte ich zu meiner Tochter.

"Muss das sein"? Stell ihn doch nach draußen!"

"Es muss sein, er geht nicht durch den Niedergang!"

Schließlich finde ich den Kessel, entdecke - mehr zufällig - den Trichter, mit dem ich den Spiritus in den Kocher fülle, kriege das Dingen nach zweimaligem vergeblichen versuchen, bei denen ich mir die Finger verbrenne, weil man mit dem Streichholz nicht in die Vorheizpfanne langen kann, in Gang und zapfe Frischwasser mit akrobatischer Verrenkung aus der kleinen Handpumpe. Geschafft. Wir sitzen erwartungsvoll am wieder aufgestellten Tisch, da fällt die verhängnisvolle Frage: "Wer weiß, wo wir die Butter gelassen haben?" Drei Stauräume unter den Kojen stehen zur Wahl. Wir bauen den Campingtisch zum zweiten mal ab, erheben uns von den Polstern, klappen sie hoch und kramen in den randvoll gefüllten Schaps. Die Butter wird gefunden, die Dose mit Fisch auch, die Brause für die Tochter und das hartgekochte Ei vom Vortag. Wir klappen die Polster wieder runter, stellen den Tisch auf und fangen endlich mit dem Abendbrot an. Der Tee wird eingefüllt.

"Ich bin sicher, dass wir auch Zucker hatten", weiß meine Frau, "wer weiß wo . . ."

Ich weiß nicht, wie oft dieses "wer weiß, wo" noch  erklang. Nach zwei Tagen lachten wir nicht einmal mehr, wenn wir uns bei Umdrehen gegenseitig mit dem Hintern auf die Kojen schubsten. Da waren wir uns bereits alle drei gründlich auf den Wecker gegangen, und auch die Entschuldigung "Es ist halt nur ein Daysailer" zog nicht mehr. Wir nahmen langsam die typische, krumme Haltung der Klein-Boot-Leute an. Das Bücken zog in die Bandscheiben und machte meine Frau und mich kreuzlahm. Wenn jetzt noch Schlechtwetter dazu gekommen wäre, ich weiß nicht, wie dieses Experiment geendet hätte.

Aber dann, nach etwa drei Tagen löste sich die Spannung plötzlich. Wir hatten auf den breiten und bequemen Kojen herrlich geschlafen, und auch Fräulein Tochter, die anfangs heftig über die Rohrkojen gemeckert hatte ("da penn ich nicht, da könnt ihr einen von den Regatta-Fuzzys draufschnallen") hatte sich mit ihrem Schicksal abgefunden. "Gewusst, wo" löste so manches Problem Die Rettung brachte vor allen ein inzwischen eingekaufter Plastikkorb, in dem wir nun alle Esswaren fürs Frühstück und Abendessen aufbewahrten und den wir leicht in den Stauraum unter der Plicht schieben konnten.

Auch hatten wir uns inzwischen auf die Dimensionen de kleinen Kajüte eingestellt und fanden sie besonders abends urgemütlich. Für das Aufstehen, das auf einem kleinen Schiff umständlich ist und viel Zeit erfordert, entwickelten wir eine spezielle Zeremonie. Eine nach dem anderen wuschen wir uns in einer Plastikschüssel im Cockpit, das durch die gutgearbeitete Plicht-Persenning dicht abgeschlossen wurde. In dieser "Nasszelle" spielte sich so manches ab, was meine Frau und mich an Zeiten erinnerten, als wir noch mit unserem selbstgebauten Jollenkreuzer unterwegs waren.

An die frische Luft bugsierten wir auch das tragbare Porta-Potti, und während die Niedergang-Schotten geschlossen wurden, konnte jeder seinen Geschäften nachgehen. Zugegeben - für zwei Dickschiff-Verwöhnte Segler mittelalterlichen Jahrgangs keine eben verlockende Morgentoilette. Aber schließlich war der Mief in der Kajüte wesentlich unangenehmer. Dann kam der Tag, als dieses misstrauisch behandelte Porta-Potti furch laut gluckernde Geräusche kundtat, dass es nun an der Zeit für eine Entleerung sei. "Du musst das Ding auskippen", sagte meine Frau. Ich bat um ein wenig Aufschub,, bis es dunkel werden würde. Und dann schnappte ich mir den Plastikkübel, äugte vorsichtig unter der Persenning hervor, ob die Luft rein war, und schlich auf leisen Sohlen den Steg entlang.

"Guten Abend, Herr Nachbar, noch einen Spaziergang machen?"

Du lieber Himmel, der Dicke vom Motorsegler. Und seine Olsch peilte auch schon aus dem Deckshaus.

"Ich, äh, ich muss noch mal wohin!"

Ein breites Grinsen: "Man sieht´s, Sie tragen das Klosett ja unterm Arm."

Als ich dann den entsetzlichen Inhalt mit lauten Geplumpse ins Spülklosett gekippt hatte und Deckel, Brille und Kacheln mit schmutzig-braunen Flecken verziert waren, schwor ich mir, nie wieder diese Tortur auf mich zu nehmen. Fortan hockten wir im Daysailer auf der Pütz - wie "in guten alten Zeiten".

Nun hat ja wohl der Hersteller weniger die sanitären Probleme einer Familiencrew als die sportlichen Aspekte bei der Konzeption der SPRINTA DS im Auge gehabt, und das versöhnte uns dann, ein seglerischer Hochgenuss, wie wir ihn schon lange nicht mehr erlebt hatten, mit manchem Ungemach im Hafen. Das Boot mit dem "gezähmten" Rigg im Vergleich zur SPRINTA SPORT ist bemerkenswert temperamentvoll, segelt dabei aber doch gutmütig. Die Geschwindigkeit, die wir vor allem an der Kreuz bei Mittelbrise und Genua und Groß erreichten, ließ manchen Skipper größerer Fahrtenyachten an seinen seglerischen Fähigkeiten zweifeln. Vorm Wind, mit ausgebaumter Genua, hielten wir 30 Meilen Schritt mit mehreren Yachten, die den Spinnaker gesetzt hatten. Beim An- und Ablegen wurden wir immer kiebiger, bis wir schließlich alle Manöver nur noch unter Segeln fuhren und den Außenborder ganz in Ruhe ließen. .......Es beleibt festzustellen, dass ein Außenborder prinzipiell, der beste, weil billigste und leichteste, Motor für die SPRINTA DS ist. Die gut funktionierende, über eine Talje leicht aufholbare Motortraverse befördert Motor samt Propeller hoch über die Wasseroberfläche, so dass kein Fahrtverlust unter Segeln entsteht.

Die DS ist obligatorisch ausgestattet mit Seereling, Bug- und Heckkorb, Rettungsleiter, Positionslampen, Spinnakerbaum, Motorhalterung, Motor, aufstellbarem Vorluk, Sprayhood, Zeltpersenning, Cockpitpolster, Porta Potti, Lampe, Kocher, Wassertank und Geschirr und man sollte erst gar nicht auf die Idee kommen, sie bei der Bestellung des Bootes außer acht zu lassen. Die SPRINTA D in ihrer einfachsten Ausführung scheidet somit für Törnnwillige von vornherein aus, und die DS-Ausführung kostet mit dem dem genannten Fahrtenzubehör immerhin rund DM 32.000 einschließlich Mehrwertsteuer. Meiner Meinung nach könnte man dafür auf Dinge wie Sumlog, Echolot und Chronometer ohne weiteres verzichten.

Mit dieser Ausführung ist das fahrtenfertige Boot allerdings im Vergleich mit manchem Konkurrenzboot immer noch preiswert, zumal die Bauqualität auch im Detail sehr gut ist.

 

P.S.: Ich habe einige Stellen des langen Berichtes weggelassen, da sie für die Bewertung des Bootes völlig bedeutungslos sind wie z.B. die umfangreiche Berichterstattung übder den schlecht laufenden Außenborder, der der Familie Schwarzlose zur Verfügung stand.

 

 

 

 

 

 


 


 

 

 

 

 

 


 

 

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