Bericht von der Durchkenterung im Jahre Okt. 1987 im Masset-Sound
aus der Zeitung "Queen-Charlotte-Island-Observer" Kanada
(übersetzt von Annette Büngener-Peters)

Mit freundlicher Genehmigung von Google Earth
Schlagzeile: Segler sicher in Masset
Nach Durchkenterung, vor den Charlottes
Masset, 10. Okt. 1987:
Zwei Weltumsegler aus Bremen (Westdeutschland) verbringen
den Winter hier, nachdem ihr 31-Fuss-Segelboot letzten Sonntag beschädigt
wurde, als es von zwei riesigen Wellen ergriffen, kopfüber geworfen und
entmastet wurde, direkt außerhalb der "Dixon-Entrance".
Friedel Klee (65) und seine Frau Ursel (51 ) segelten von
Sitka/Alaska nach Seattle, als die zwei Wellen ihre Pläne ganz schnell
änderten. Sie blieben unverletzt, aber sie brauchten drei Tage unter einem
Notrigg nach Masset "hineinzuhumpeln".
Mr. Klee erzählt die Geschichte auf seine Art: "Dann
passierte das Ding. Wir wurden von einer Welle geschlagen und hatten eine
Art "k.o.", nicht zu schlimm. Dann kam eine andere Welle, nicht in der
üblichen Folge, die warf uns um. Ich saß auf der Steuerbordkoje und las und
Ursel machte Haferflockensuppe. Das Boot drehte sich um nach Steuerbord.
Alles wurde dunkel. Ursel fiel irgendwo hin, sie weiß nicht mehr wie und wo.
Wir sahen und hörten nicht mehr viel. Es ging rund fast wie ein Karussell.
Keine Panik, erstaunt, vielleicht Schock. Dann irgendwie gespenstisch. Wir
guckten direkt nach unten, durch das Plexiglas-Kajütdach, das normalerweise
an der Decke ist, direkt in den Ozean. Es gab ein gurgelndes Geräusch,
Wasser kam rein durch einige Löcher. So saßen wir über Kopf da und fragten
uns, was wohl als nächstes passieren würde".
Frau Klee sagt: "Ich traute unserem Boot. Ich hab nicht
für einen einzigen Augenblick gedacht, dass es nicht wieder hochkommen
würde."
In ein paar Minuten also, von denen die Klees sagten, dass
sie ihnen wie Stunden vorkamen, richtete sich das Boot von selbst wieder
auf, machte dabei ein unglaubliches Durcheinander.
"Stell dir irgendein Appartement vor, dreh es auf den
Kopf, gieß Wasser dazu und schüttele es gut" sagt Mr. Klee. Als das Boot
wieder hoch kam, war der Mast zerstört und lag um den Bug gewickelt. Mr.
Klee glaubte, er könnte ihn retten, deswegen laschte er ihn fest um den Bug,
damit er nicht mehr gegen die Außenhaut schlug.
Die beiden, die gestandene Segler sind und in den 70ern
eine komplette Weltumsegelung abgeschlossen haben, riggten ein
provisorisches Segel, wobei sie zwei Spinnaker-Bäume und eine Fock
benutzten, die sie wieder beweglich machte. Sie planten, nach Ketsehikaan zu
segeln, aber die Winde zwangen sie in die Richtung Prinz Rupert. Dann, am
Mittwoch, in der
Dixon-Entrance, gerade vor der Nord-Insel, bemerkten sie ein
Patrouillen-Flugzeug der Kanadischen Streitkräfte auf Routineflug.
"Wir hatten ein kleines Handfunkgerät", sagte Mr. Klee. "Der Pilot flog
niedrig über uns. Ich frage ihn nach unserer Position und er gab sie uns und
wies uns an, nach Masset zu segeln. Ich mußte ihm sagen, dass ich keine
Karte von Masset habe.
Sie begleiteten uns eine kleine Weile, machten eine Funkverbindung
zwischen Prinz Rupert und einigen Fischern."
Nass und müde wurden die Klees nach Masset geleitet von der "Dungeness",
die Monte Stewart-Burton, gehörte, der sie auch in seinem Haus aufnahm.
"Während der letzten Periode musste ich in einem Überlebensanzug steuern,
der innen drin nass war", sagt Mr. Klee.
"Dann saßen wir am Feuer und weinten. Wir haben Glück gehabt."
Seine Frau sagte: "Wir haben wirklich Glück gehabt, keiner muss ins
Krankenhaus ......."
Die einzigen Sachen, die sie verloren haben, waren ein Eimer, eine
Rettungsinsel und ein Blitzlicht, obwohl ihr Boot innen drin ein Bild der
Verwüstung abgibt und einen neuen Mast braucht. Sie planen, den Winter in
Masset zu verbringen und dabei ihr Schiff wieder klarzumachen, bevor sie die
Reise fortsetzen.
"Wir sind so beeindruckt von diesem kleinen Dorf hier, wir mögen es hier
sehr. Wir haben uns gut umgeschaut; wir können hier alles bekommen -
Lebensmittel -. Wir haben schon ein Bankkonto eröffnet", sagten sie.
"Wir haben ein Bad, eine Küche, einen riesigen Kühlschrank, es kann nicht
besser sein", sagen sie von Mr. Stewart-Burtons Haus, wo sie zur Zeit sind.
Über ihre Erfahrungen in dem Boot sagen sie "Wir lernten eine Menge,
glaubt nicht wir wären Helden. Wir waren wirklich fertig. Manchmal passieren
solche Sachen, dann bist du dran."
Die Klees wollen auch den vielen Leuten, die ihnen geholfen haben, danke
sagen.