Bornholm und Schweden in 7 Tagen Törnfotos
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Öfter mal wieder reinschauen

Freitag, 2.9.2005 + Samstag 3.9.2005

Und wieder nähert sich eine Segelsaison dem Ende - und das heißt für uns seit 15 Jahren: der Herbsttörn ist angesagt!

Für uns alle war es schon seit Jahren ein Traum, einmal Nonstop von Großenbrode nach Bornholm zu segeln, aber jedes Jahr machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung oder wir waren nicht in der entsprechenden Stimmung. Doch diesmal war alles anders.

Wir bekamen unser Schiff, die übliche Dehler 38 aus der Flotte der Marina Großenbrode, erst am Nachmittag und waren somit erst kurz vor 16 Uhr startklar. Was sollten wir mit diesem kaputten Segeltag anfangen? Lohnte es überhaupt noch raus zufahren, oder nur noch bis Burgtiefe oder Heiligenhafen? Nein, heute war alles anders: Stimmung und Wetter spielten mit uns so beschlossen wir erst einmal Richtung Osten zu segeln, da der Wind moderat aus Nordwest über die Ostsee blies.

Auf gehts nach Bornholm

Sollte der Wind unterwegs einschlafen, wollten wir den naheliegendsten Hafen anlaufen. Der Wetterbericht ließ uns aber auf durchgängigen Wind hoffen und so nahmen wir um 16 Uhr die Leinen von den Pollern und setzten schon nach wenigen Minuten Großsegel und Genua I.

Mit der Kraft der 3 Windstärken lief unsere betagte Dehler 38 Happy Day gut und gerne an die 5-6 Knoten und wir kamen somit recht zügig voran. Etwa gegen 20 Uhr lag Kühlungsborn querab und wir beschlossen nun endgültig unseren Kurs auf Bornholm abzusetzen, zumal der Wind auch noch etwas aufgefrischt hatte.

Wir teilten 2 Wachen ein, die sich im Rhythmus von jeweils 3 Stunden abwechseln sollten. Richard und Kalla übernahmen die erste Strecke, Torsten und ich legten uns erst einmal in die Koje.

Sonnenuntergang auf See

In der Dunkelheit konnten wir vor und hinter uns im Norden überall die Lichter der Großschiffahrt erkennen, die zielstrebig der Kadettrinne zustrebten, diesem Nadelöhr zwischen Gedser und Darßer Ort.

Gott sei Dank konnten wir uns mit Raumschotswind immer schön auf der Steuerbordseite des stark befahrenen Schiffahrtsweges halten. Trotzdem war es für uns alle eine aufregende Sache, zumal wegen der Neumondphase totale Finsternis herrschte.

Somit waren wir froh, als in den frühen Morgenstunden die Dunkelheit der Nacht der Morgendämmerung weichen mußte.

Sichtlich erleichtert machten wir uns um 7 Uhr über das angebotene Frühstück her, das Richard uns in seiner Freiwache servierte. Der dampfende Kaffee belebte unsere müden Geister und Spiegeleier mit Schinken gaben uns neue Kraft für die noch für uns liegenden 12 bis 14 Stunden, vorausgesetzt, der Wind blieb weiter so konstant bei 3-4 Windstärken.

Seit 16 Stunden segelten wir nun schon, das Groß mit einem Bullenstander gesichert und die Genua mit dem Spibaum ausgebaumt, auf Steuerbordbug, ohne eine einzige Wende - so etwas hatten wir alle noch nicht erlebt und es lagen noch ca. 12 Stunden vor uns. Die Wetterprognose war unverändert.

Schnitzel mit Pilzen

Kalla hatte zuhause schon kalte Koteletts und hausgemachten Kartoffelsalat vorbereitet (oder vorbereiten lassen?), dem wir uns um die Mittagszeit ausgiebig widmeten. Mit neuer Kraft segelten wir weiter Stunde um Stunde unserem Ziel entgegen und gegen 18 Uhr kam von Richard am Ruder endlich der befreiende Ruf: Land in Sicht!

Von den restlichen Schnitzeln machten wir uns am Abend "Hamburger"

Um 20 Uhr waren wir an der Ansteuerungstonne vor Rønne und um 20.30 Uhr legten wir unsere Leinen im Hafen über die Poller. Dummerweise paßten hier unsere Stromadapter nicht, da man hier wohl nur mit Großschiffahrt rechnet. Jedenfalls bot uns der einzige außer uns im Hafen liegende Skipper eine freie Steckdose an, damit wir mit dem Landstrom unsere Kühlung wieder betreiben und unsere Handys wieder aufladen konnten, denn diese hatten sich unterwegs bei der ununterbrochene Suche nach einem Telefonnetz still und heimlich entladen.

Diesmal hatte ich ein kleines Taschenstativ mitgenommen, mit dem wir nun auch endlich mal Bilder von uns allen machen konnten.

  
Bei 26 Grad ließ es sich locker im Cockpit aushalten
 

Wie sich das für die wärmste Insel der Ostsee gehört, vertilgten  wir einen zünftigen "Hawaiitoast".

Für die 140 Meilen von Großenbrode bis Rønne hatten wir 28 Stunden benötigt, das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Knoten und einem Etmal von 120 - damit waren wir mehr als zufrieden. Hätten wir einen Spinnaker dabei gehabt, wären vielleicht ein paar Stunden weniger drin gewesen; wir waren aber auch so zufrieden.

Als Festmahl servierte Kalla uns an diesem Abend dann "Hühnchen indisch", das uns vorzüglich schmeckte. Mit einem kleinen Umtrunk bis kurz vor Mitternacht ließen wir dann den Tag noch einmal Revue passieren und legten uns dann doch rechtschaffen müde in die Kojen.

 

Sonntag, 4.9.2005

Verständlicherweise klingelte unsere Reisewecker an diesem Morgen etwas später, da wir doch einiges an Schlaf nachzuholen hatten.

Nach der Morgentoilette wurde erst einmal ausgiebig gefrühstückt. Wir überlegten, ob wir den Tag auf Bornholm verbringen sollten, oder doch schon so langsam wieder unseren Heimweg planen sollten, denn es wurde für die nächsten Tage Südwestwind vorhergesagt und Hinweise auf Nebel gab es auch. Da wir das Schiff spätestens am Freitagmorgen um 9 Uhr abgeben mußten, hatten wir maximal einen Karrenztag zur Verfügung, und den wollten wir nicht gleich am Anfang verplämpern, sondern uns für die restliche Zeit freihalten, man weiß ja nie, was alles noch so kommen kann.

So entschieden wir uns für einen kleinen Abstecher nach Ystad in Schweden, damit wir auch diesen weißen Fleck auf unserer weißen Seglerweste streichen konnten.

Mit wenig Wind krochen wir so um 10.45 Uhr aus dem Hafen Richtung Nordwest dahin bis uns gegen 13 Uhr die Geduld verließ und wir den Volvo auf Trab brachten. Gegen Mittag verzehrten wir die letzten der mitgebrachten Koteletts und den leckeren Kartoffelsalat.

Gegen 16 Uhr wurde erstmalig, und von mir schon tagelang vermißt, endlich auch mal Kuchen mit Kaffee ins Cockpit gereicht!!!

Gegen 18 Uhr erreichten wir den schönen Hafen von Ystadt, in dem neben uns weitere Fahrtensegler aus Deutschland lagen bzw. noch im Laufe des Abends eintrafen. Star der Gastliegerflotte war ganz eindeutig der Zweimaster Zwilling von Kappeln, der wahre Besucherströme auf den Steg lockte.

Zum Abendessen gab es heute frische Bratkartoffeln mit Brathering oder Heringsstipp, ganz wie gewünscht.

Es war ein wundervoller Abend, unser Thermometer zeigte um 22 Uhr noch 28 Grad an, wir konnten es kaum glauben. Der Himmel färbte sich im Westen glutrot mit ständig wechselnden Mustern, man hätte am Filmen dran bleiben können, so ein tolles Schauspiel wurde uns an diesem Abend geboten. Als wir uns um 24 Uhr in die Falle hauten, wußten wir noch nicht, dass uns am

Montag, dem 5.9.2005

ein anderes Schauspiel geboten wurde: Weißes Schiff auf weißem Grund oder: der totale Nebel!

Langsam schält sich gegen 17 Uhr die Altstadt aus dem Nebel

Da man sprichwörtlich nicht die Hand vor den Augen sah wußten wir, dass wir heute unseren Karrenztag opfern mußten. An ein Auslaufen war überhaupt nicht zu denken, zumal direkt nebenan ständig Fähren ein und ausliefen, die man nie sah obwohl nur 50 Meter entfernt, und außerdem noch das bekannte Bornholmsgatt mit starkem Großschiffsverkehr direkt vor der Küste weiteren Ungemach versprach.

Ein besonderes Lob verdiente sich am heutigen Tag unser Kalla, der uns durch seine mitgebrachte Luftmatratze von den größten Schmerzen am Hinterteil befreite.


Richard und Kalla "am Blasen"

 
Mit dieser komfortablen Unterlage hatten wir gut Lachen.

Leider mußte ich an diesem Tag eine bedauerliche Feststellung machen: Alle Eignerboote blieben im Hafen, aber alle Charterboote (außer uns) liefen aus. Für mich eine völlig unverständliche Tatsache, die nur auf die Unerfahrenheit und Dummheit der Charterer zurückzuführen ist.


Der "Zwilling von Kappeln" im Nebel

Wir machten uns einen gemütlichen Hafentag, wobei ich der Stadt mit meiner Videocamera auf die Pelle rückte und die schönsten Ansichten des schönen Städtchens Ystad festhielt.

Für einen solchen Hafentag hatten unsere "Einkäufer" aber bestens vorgesorgt. Völlig überraschend wurde auf einmal ein kleines, gut gekühltes Fäßchen Warsteiner auf den Tisch gezaubert, dass wesentlich zur Aufhellung der Stimmung beitrug. Gegen 18 Uhr zeigte sich auch das Wetter von unserer guten Stimmung beeindruckt und mit einem kleinen Windhauch wurde der Nebel hinaus auf die See getrieben. Schemenhaft kam die schöne Silhouette der Stadt aus dem Nebel hervor und um 20 Uhr hatten wir wieder einen traumhaft klaren Abend mit Temperaturen so um die 25 Grad.

Das Fäßchen WARSTEINER

Just zu dieser Stunde lief eine schwedische Open-60-Yacht in den Hafen und legte sich direkt quer vor unsere Happy Day. Selbstverständlich nahmen wir diese Rennziege erst einmal aus kürzester Distanz unter die Lupe. Das Beeindruckendste waren die Winschen, die sich so auf einen Durchmesser von rund 80 cm schätze; auf diese 4 Profis war ich doch ein bißchen neidisch, das muß ich zugeben, da wäre ich doch zu gerne mal mitgefahren.

 

Dienstag, 6.9.2005

Da kam am Morgen große Freude auf, als wir uns um 5.30 Uhr zum Waschhaus begaben: Der inzwischen kräftige Wind hatte mit seinen 4 bf. den Nebel völlig weggeblasen; die Luft war lupenrein und der Wind kam genau aus der von uns gewünschten Richtung, nämlich Ost.

Wir nahmen uns nicht einmal die Zeit für ein ausgedehntes Frühstück, sondern legten uns gleich mächtig ins Zeug und verlegten das Frühstück auf die hohe See. Um 6.10 Uhr hieß es "Leinen los" und mit 5-6 Knoten rauschten wir wieder mit ausgebaumter Genua auf Raumschotskurs den Kreidefelsen von Klintholm entgegen.

Leider erreichten wir diesen markanten Punkt etwas zu spät, so konnten wir "Mönsklint" leider nur im zarten Gegenlicht fotografieren.

Torsten und die Klippen

Um 18 Uhr machten wir im Hafen von Klintholm fest, genau 5 Minuten zu spät, den der in der Nähe liegende SPAR-Laden machte mir die Tür vor der Nase zu.

An diesem Abend servierte uns die Küchencrew leckere Rouladen mit Semmelknödel an Rotkraut, es war ein herrliches Gericht. Den Abend verbrachten wir wieder bei angenehmen Temperaturen im Cockpit und wir  arbeiteten weiter zielstrebig und hartnäckig an der Vernichtung des mitgebrachten VELTINS-Dosenbieres.

Im Hafen von Klintholm

 

Mittwoch, 7.9.2005

Nach einer erholsamen Nacht krochen wir um 7 Uhr aus der Koje und bereiteten uns nach dem Duschen ein opulentes Frühstück auf den Salontisch.

Um 9.30 Uhr legten wir dann ab, um so mit ca. 210 Grad unser nächstes Ziel, den Hafen von Gedser anzulaufen.

Mit 3 Windstärken aus südöstlicher Richtung kamen wir auch sehr zügig voran. Um 12.30 mußten wir unsere Sorgleine, die wir vorsichtshalber immer mit der Genua hochziehen von unserem Vorsegel lösen, da sie sich an der Backbordwant oberhalb der Saling verheddert hatte (wir hatten nicht aufgepaßt, hätten sie besser kurzstag gehalten, dann wäre das nicht passiert). Unsere Versuche, die Leine unterwegs runterzuholen scheiterten und mußten auf einen späteren Zeitpunkt im Hafen verschoben werden.

Gegen 16 Uhr wurde es immer diesiger und wir schalteten unsere Dreifarbenlaterne ein.

Um 19 Uhr erreichten wir die Ansteuerung des schmalen Fahrwassers von Gedser und 30 Minuten später lagen wir fest vertäut im Hafen.

Torsten und ich machten uns sogleich an die Arbeit, um die Sorgleine zu bergen; doch alle Bemühungen scheiterten, da sie sich in der Kehle der 2 Oberwanten fest eingeklinkt hatte. Vor uns lag ein netter Segelfreund aus Hamburg, der uns freundlicherweise seinen Bootsmannsstuhl zur Verfügung stellte und nur Minuten später hatten wir das Problem gelöst.

Nach einem üppigen Abendessen widmeten wir uns wieder den kühlen Getränken und ließen den Tag revue passieren.

Inzwischen waren auch die alkoholischen Getränke aus unserer sauerländischen Heimat (das bekömmliche VELTINS) restlos vernichtet und wir widmeten uns einem neuen Abenteuer zu. Kalla hatte im Sommer einige Paletten Stiegl-Bier aus Salzburg mitgebracht, denen von nun an unsere Aufmerksamkeit galt. Schnell verflog die aufkommende Skepsis und nach der dritten Dose schmeckte uns auch der Gerstensaft aus dem kleinen Alpenland.

Es war um 23 Uhr noch 28 Grad warm, kaum zu glauben aber wahr, und so kamen wir wieder erst nach 24 Uhr in die Kojen.

 

Donnerstag, 8.9.2005

Heute stand unser letzter Schlag zurück nach Großenbrode auf der Tagesordnung. Frühzeitig standen wir auf und um 8.10 Uhr befanden wir uns schon wieder in dem engen Tonnenstrich vor Gedser.

Auch heute paßte die gewünschte Windrichtung wieder wie die Faust aufs Auge und mit 135 Grad konnten wir quasi direkt die Anteuerungstonne von Großenbrode anlegen. Der Wind mit etwa 4 Windstärken tat auch sein Übriges dazu, um auch noch den letzten Törntag zu einem herrlichen Erlebnis werden zu lassen.

In der Nähe von Staberhuk machten wir dann noch ein paar "Werbeaufnahmen" für die Stiegl-Brauerei (mal sehen, ob die ein paar Schachteln springen lassen).

Schon eine Stunde hatte der Wind urplötzlich angefangen nach rechts zu drehen, so mußten wir dann schließlich doch noch gute 2 Stunden Richtung Großenbrode aufkreuzen.

Um 17.45 Uhr lag unsere HAPPY DAY wieder unversehrt dort, wo wir sie übernommen hatten.

Wir packten unsere Sachen schon mal größtenteils zusammen, damit am anderen Morgen alles ein bißchen zügig über die Bühne gehen konnte.

Den Abend verbrachten wir mit einer letzten warmen Mahlzeit und kühlen Getränken an Bord, denn schließlich mußten alle Reste verzehrt werden.

Bis Mitternacht saßen wir noch zusammen und gingen den Törn noch einmal durch. 335 Meilen hatten wir gesegelt, und daß bei einem ganzen Ruhetag. Ohne diese Zwangspause hätten wir für uns einen neuen Rekord aufgestellt; unsere Gesamtleistung, die bei 355 Meilen liegt, konnten wir zwar nicht toppen, dafür hatten wir aber mit 140 sm die längste Strecke am Stück gesegelt. Mit 10,5 Motorstunden lagen wir auch sehr niedrig. Zieht man mal die 5 Stunden von Rønne nach Ystadt ab, liegen wir sogar sehr niedrig mit unserer diesjährigen motorten Strecke.

Somit hatten wir 280 Meilen gesegelt und 55 motort, da kommt Freude auf.

Selbstverständlich werden wir auch 2006 wieder mit der HAPPY DAY auf Törn gehen, sofern sie noch zur Verfügung steht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Molli

Richard

Kalla

n

Torsten